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2017/2018

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Marion Köstler
Telefon: 03334 237520

Dr. Ingrid Witzsche
Telefon: 03328 304517

Praxisforum: Digitale Kompetenzen Älterer stärken

Erfahrungen aus zwei Modellprojekten

Am 12. Februar von 10.30 bis 16.00 Uhr lud die Akademie 2. Lebenshälfte zum Praxisforum: „Digitale Kompetenzen Älterer stärken“ ins Hoffbauer Tagungshaus in Potsdam-Hermannswerder ein. Vorgestellt wurden die Erfahrungen aus zwei Modellprojekten und im Anschluss gemeinsam in drei Diskussionsforen diskutiert: 1) Wie können mehr Senioren für die Chancen der Digitalisierung gewonnen, 2) die Kenntnisse und Kompetenzen passgenau vermittelt und 3) die längerfristige Teilhabe durch selbstbestimmte Nutzung der digitalen Medien ermöglicht werden. Wie viel Informations- und Diskussionsbedarf zu diesem Thema besteht, zeigte auch das immense Interesse an der Veranstaltung - über 80 Teilnehmer aus der Seniorenarbeit, Politik und Wirtschaft fanden sich zur gemeinsamen Diskussion ein.

 
Ablauf

BegrĂĽĂźung und GruĂźwort

Im Namen der Akademie 2. Lebenshälfte als Veranstalter begrĂĽĂźte Frau Dr. Ingrid Witzsche die Gäste. Sie hob hervor, dass das groĂźe Interesse bereits im Vorfeld gezeigt habe, dass das Thema „Digitalisierung und Alter“ sehr viele Akteure bewegt – Seniorenbeiräte und Bildungsträger, regionale Vereine und Kommunen. Bisher  war dazu auf Landesebene noch nicht viel passiert. Im Rahmen der landesweiten Seniorenbefragung 2016/7 war es jedoch bereits als wichtiges Handlungsfeld identifiziert worden. Die Veranstaltung sei deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Dr. Tim EyĂźell vom Ministerium fĂĽr Bildung, Jugend und Sport schloss sich dieser Position an. Das Ministerium hatte 2017 die Möglichkeit fĂĽr Modellprojekte in größerem Umfang geschaffen, die sich u.a. den Themen Digitalisierung und Seniorenbildung widmen sollten. Die erfolgreiche Beteiligung der Akademie 2. Lebenshälfte an dieser Ausschreibung mit zwei Projektansätzen zur Stärkung digitaler Kompetenzen begrĂĽĂźte er auĂźerordentlich. Mit diesen Ansätzen werden neue Wege in der Weiterbildung Ă„lterer erarbeite und erprobt, die auch anderen Anbietern im Land zugutekommen können. 

Impulsvortrag: Digitalisierung als Herausforderung und Chance für die Älteren – Anforderungen an Kommunen und Land

Den thematischen Einstieg gab zunächst Carsten Große Starmann, Projektleiter der Bertelsmann-Stiftung. In seinem Vortrag ging er unter anderem darauf ein, was „digitale Souveränität“ ausmacht und an welche äußere Bedingungen ist sie geknüpft ist, welche digitalen Kompetenzbereiche man unterscheiden kann und wie eine erfolgreiche digitale Transformation gelingt. Grundlage dafür sei die Koordinierung und Vernetzung von Akteuren und Rechtsinstrumenten sowie eine Einbindung der Wirtschaft, eine hochwertige, flächendeckende Infrastruktur, niedrigschwellige digitale Erfahrungsorte, die individuelle Lernbiografien berücksichtigen sowie eine Stärkung dieser Strukturen durch die Politik auf Landesebene.

Die Modellprojekte

Modellprojekt: „Alter digital“ alias „Digital? Digitoll!“

AnschlieĂźend stellte Koordinatorin Astrid Kiy das Projekt „Alter digital“ des Geschäftsbereich SĂĽd der Akademie 2. Lebenshälfte vor. Ziel des Projektes war es, gemeinsam mit Dozenten und interessierten Ă„lteren herauszufinden, wie es gelingen kann, noch mehr ältere „Offliner“ fĂĽr die Beschäftigung mit den digitalen Möglichkeiten zu gewinnen und wie das Lehr- und Lernkonzept fĂĽr Ă„ltere noch ĂĽbersichtlicher und motivierender gestaltet werden kann, um den differenzierten Voraussetzungen und Zielen der heterogenen Zielgruppe Ă„lterer Rechnung zu tragen. Vorgestellt wurden verschiedene Konzepte fĂĽr den „Einstieg“ der Senioren in die digitale Welt, ein ĂĽbersichtliches Kursmodulsystem nach dem Baukastenprinzip sowie die Erfahrungen aus der Praxis. Die vorgestellten Konzepte stellten die Grundlage fĂĽr die Diskussionen in Forum I (Einstieg) & Forum II (Bildungsangebote).

Modellprojekt „#SENIOREN.LERNEN.DIGITAL“

Frau Marion Köstler, Leiterin des Geschäftsbereichs Nord der Akademie 2. Lebenshälfte, stellte das Projekt „# SENIOR.LERNEN.DIGITAL“ vor, welches sich auf den Bereich der organisierten Weiterbildung als einen zentralen „digitalen Lernort“ konzentrierte. Es ging dabei um Nutzungsvielfalt, Kompetenz, Offenheit und Zugang. Neue Kurskonzepte des digitalen Lernens, ĂĽber gewohnte IT Kurse hinaus, sollten dazu dienen, Begeisterung zu erzeugen und vor allem den „Sinn“, den Nutzen digitaler Medien fĂĽr die eigene Lebensgestaltung nachhaltig zu zeigen. Um sie zu entwickeln, schlug Frau Köstler ein ganzheitliches Herangehen vor: die gemeinsame Bildungsarbeit mit den Seniorinnen und Senioren, den dafĂĽr qualifizierten, offenen Dozenten und eine entsprechende digitale Infrastruktur.

Diskussionsforen am Nachmittag

DISKUSSIONSFORUM I Informieren – Motivieren – Einstieg sichern

Wie gewinnen wir die „Offliner“ unter den Älteren ‚zur Nutzung der Chancen der Digitalisierung?

Moderation: Steffi Wiesner

Zunächst wurde im Forum I diskutiert, wie die Älteren überhaupt mit digitalen Angeboten erreicht werden können. Mund zu Mund Propaganda hat sich laut vieler Beteiligter dabei als sehr hilfreich herausgestellt, ebenso wie die Ansprache über Familienmitglieder. Auch sind die Begrifflichkeiten in der Werbung essentiell, um die Zielgruppe nicht abzuschrecken (keine Anglizismen, niederschwellige „Gesprächsrunden“ statt Seminare, o.Ä.).

Im Folgenden wurden viele Ideen gesammelt, welche Faktoren bei digitalen Angeboten für Senioren wichtig sind. Die Lernatmosphäre ist dabei entscheidend: Kursräume, -formate sollten seniorenfreundlich sein und der Dozent muss sich auf die Zielgruppe einstimmen. Idealerweise stellt sich ein Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe ein: „ich bin nicht allein“. Als sinnvoll wurden vor allem Hilfe bei der Ersteinrichtung sowie kostenfreie Angebote im Allgemeinen angesehen. Ebenso sollte auf Personen mit körperlichen Einschränkungen eingegangen werden – der Markt bietet in dem Bereich viele Hilfsmittel.

Thematisch sollten sich die Angebote auf den praktischen Nutzen der Technik konzentrieren (Toiletten-App, Wheel-Map) den Einstieg über bekannte „Marken“ ermöglichen (Tagesschau-App, ZDF.de) sowie dem Sicherheitsbedürfnis der Senioren gerecht werden.

Weiterhin wurden Kursformate mit weiteren Akteuren vorgeschlagen – so kam der generationsübergreifender Ansatz mit Enkeln, Schülern oder Geflüchteten bei einigen Anbietern bereits gut an. Auch die Zusammenarbeit mit Banken speziell für Online-Banking-Kurse wurde positiv erwähnt.

Abschließend wurde diskutiert, was die Gewinnung der Älteren für die Chancen der Digitalisierung im Wege steht. Von einigen Teilnehmern des Workshops wurde wiederholt die Sonderstellung des ländlichen Raums hervorgehoben – es fehlen Räume, Personal, Infrastruktur. Zudem ist der Breitbandausbau leider immer noch dürftig, zum anderen steht die finanzielle Förderung der digitalen Bildung für Senioren (wichtig um kostenfreie Angebote ermöglichen zu können) generell in den Kinderschuhen.

DISKUSSIONSFORUM II Technikkurse: Modular – praxisnah - kompetenzorientiert

Welchen Kriterien muss ein passgenaues Bildungsangebot fĂĽr die Ă„lteren entsprechen?

Moderation: Ingo Frost

Die Angebote sollten zunächst so niederschwellig wie möglich sein, dies beinhaltet Möglichkeiten zur finanziellen Förderung der Teilnehmerbeiträge, Ermäßigungen, Gutscheine, Berücksichtigung der Ehrenamtskarte, etc.

Grundsätzlich wurde die Arbeit mit dem eigenen Gerät als vorteilhaft eingestuft, daher sollte vor Kursbeginn eine Beratung stattfinden, welche Geräte und Betriebssysteme die Interessenten besitzen und welcher Kurs geeignet ist. Bei der Auswahl der Kurse soll ein übersichtliches, modulares Kurssystem die Einstufung erleichtern. Die Kurse sollten sich an praxisnahen Anwendungen orientieren und eine ausreichende Länge besitzen, um genügend Möglichkeit zur Wiederholung zu gewährleisten. Digital angereicherte Lernorte (nicht nur im IT-Kurs) können praktische Anwendungen der Technik herstellen und Hemmungen abbauen. Ein zweiter Dozent/Tutor im Kurs kann die individuelle Betreuung unterstützen und somit dem Lernerfolg positiv beeinflussen. Nach den Kursen sollten Austauschmöglichkeiten und Experimentierräume geschaffen werden.

Im Anschluss wurde über die Möglichkeiten diskutiert, den ländlichen Raum mit entsprechenden Angeboten zu erschließen. Auch hier ist der niederschwellige Einstieg essentiell, aber auch die Bereitstellung der Technik, um überhaupt Kurse anbieten zu können. Die Kombination von verschiedenen Altersgruppen in den Kursen wurde ebenso angeregt, wie die Zusammenarbeit zwischen Bildungsträgern und Pflegepersonal sowie über die Träger hinweg.

DISKUSSIONSFORUM III Dranbleiben – zukunftsfähig und nachhaltig

Wie gelingt es, die Älteren an der weiter fortschreitenden technischen Entwicklung teilhaben zu lassen und sie zur Nutzung bis ins hohe Alter zu befähigen?

Moderation: Eva Gehltomholt

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Schaffung vielfältiger Lernorte mit innovativen Ideen. So sollten die Sprechstunden überall als Idee genutzt werden, aber auch Praxisübungen organisiert, z.B. beim Automaten der Sparkasse, bei Computerkassen.

Veranstaltungen zu Technikanwendungen mĂĽssen Neugierde wecken und praxisorientiert sein, z.B. Senioren bauen Roboter, probieren VR-Brillen aus, erleben das autonome Fahren in Testgebieten, programmieren gemeinsam Alexa-Skills

Vor allem muss es immer wieder auch eine Einladung zum selbständigen Lernen sein – in der Familie, im Internet, im Club und natĂĽrlich auch im Kurs. Nur durch Eigeninitiative und Ăśbung können die Kompetenzen erhalten und entwickelt werden.                                

Beide Projektansätze werden gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Jugend, Bildung und Sport des Landes Brandenburg

 
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